Loslassen

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Im Yoga und in der Meditation ist eines der Hauptthemen das Loslassen. Loslassen von Gedanken, Gefühlen, Ansichten, Mustern, Gegenständen, Erwartungen, Menschen, dem Leben – die Liste ist lang und die Vorstellung des Loslassens mehr als oft beängstigend.

Unbekanntes Terrain macht Angst

Aber weshalb ist es so beängstigend, tun wir uns so schwer damit? Weil loslassen bedeutet, Bekanntes und Gewohntes aufzugeben und wir uns damit auf unbekanntes Terrain begeben. Unbekanntes Terrain mit unbekannten Gefahren oder aber auch vermeintlich bekannten Gefahren, welche uns schon bei der Vorstellung daran zurückschrecken lassen. Wir Menschen sind Gewohnheitstiere und die meisten von uns sehnen sich nach Sicherheit und Beständigkeit. Gewohnheiten, Muster, Traditionen gaukeln uns diese Sicherheit und Beständigkeit vor.

Bei genauerem Hinsehen jedoch ist dieses Gefühl von Sicherheit und Stabilität welches wir aus dem Bekannten ziehen trügerisch. Denn, egal wie genau wir planen, wie genau wir uns die Zukunft zurecht legen, das Leben lehrt uns immer wieder von Neuem, dass es voller Überraschungen steckt und jeweils alles anders kommt als wir denken. Wir können noch so hart und aufrichtig für Stabilität in unserem Leben arbeiten, ab und zu geht sie bei uns allen verloren und es kommt alles durcheinander.

Solange sich die Welt dreht und sich die Wesen in dieser Welt bewegen, bleibt alles im Fluss und vergänglich. In dieser sich konstant wandelnden Welt wird es uns nicht gelingen Dinge während längerer Zeit erfolgreich festzuhalten, egal wie hartnäckig wir es versuchen.

Festhalten führt zu Leid

Mehr als vor dem Loslassen sollten wir uns deshalb vor dem Festhalten fürchten. Denn in Wahrheit ist es das Festhalten welches so oft zu Enttäuschungen und Verletzungen führt. Je mehr wir festhalten umso bitterer fällt die Enttäuschung am Ende aus. Umso unsanfter ist die Landung wenn eine bekämpfte oder verleugnete Änderung schlussendlich doch eintritt. Wir haben alle schon solche Momente erlebt. Wer darauf besteht, dass sich nichts verändert und dass das eigene Leben sich in statischen Bahnen bewegt, ist nur schwer fähig mit Änderungen umzugehen, sich auf sie einzustellen oder sie gar anzunehmen wenn sie denn doch kommen. Zu leicht fühlen wir uns in Momenten der Veränderung dann vom Leben betrogen. Es scheint uns dann, als hätten sich die ganze Welt, das ganze Universum – sogar das Wetter – und alle lieben Menschen gegen uns verschworen.

Das Ergebnis dieser eingebildeten Verschwörung sind Frustration, Wut, bis allenfalls hin zur Depression. Wir leiden und unweigerlich verhärtet sich die starre Sichtweise noch zusätzlich und führt damit unweigerlich zu noch mehr Leid. Ein Teufelskreis. Sind wir erst einmal so weit, sehen wir nur noch das uns zugefügte Leid, die Ungerechtigkeit mit der wir vom Universum behandelt werden und vermuten hinter jeder Tat unseres Umfelds eine böswillige Absicht. Unsere negative Einstellung zieht in Folge auch unsere Nächsten in den Bann und verletzt sie ebenfalls.

Stetiges Prüfen

Um solche Teufelskreise zu vermeiden oder zu durchbrechen ist es wichtig unsere Ansichten, Gedanken, Taten und Emotionen immer wieder von Neuem zu prüfen. Es lohnt sich, sich immer wieder die Frage zu stellen ob ein Muster, ein Verhalten oder eine Tradition uns und unserem Umfeld (noch) dienlich sind und Sinn machen. Halten sie einer ehrlichen Prüfung nicht (mehr) stand, müssen wir sie loslassen, uns von ihnen endgültig trennen und uns stattdessen auf das Neue einlassen. Mit etwas Übung lässt sich dieser Prozess der Prüfung und des Loslassens mit der Zeit zu jedem Moment und überall fast automatisch anstossen. So gelingt es, statt schwermütig, leichten Herzens und mit offenem Blick durch die Welt zu gehen.

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Anmerkung: diese Zeilen sind am Flughafen von Varanasi in Indien entstanden wo wir gestrandet sind nachdem unser Flug ohne Information gestrichen wurde. Kurzfristig mussten wir unsere so schön überlegten und abgestimmten Pläne auf die neuen Begebenheiten anpassen. Es blieb mir die Wahl, aufgrund dieser ärgerlichen Situation entweder in negative Emotionen zu verfallen, mich über die Inder und das Schicksal endlos zu ärgern oder aber nach dem ersten Ärger loszulassen, mit den Schultern zu zucken und mich auf die neuen Umstände einzulassen. Ich entschied mich glücklicherweise für die zweite Option und ersparte mir damit sinnloses Ärgern und das Verschwenden von Energie. Schlussendlich sind wir auf anderem Weg dennoch ans Ziel gelangt.

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